Creme rühren – eine Anleitung

Heute früh hatte ich richtig Lust, eine schöne Gesichtscreme zu rühren. Außerdem warteten 2 liebe Menschen auf meine nächsten Rührergebnisse. Also habe ich gleich nach meiner morgendlichen Joggingrunde meine Rührküche aufgebaut. Glücklicherweise ist mir auch noch rechtzeitig eingefallen, Fotos zu machen, um euch hier ein Tutorial präsentieren zu können.

Vor einigen Wochen hatte ich ein tolles Rezept ausprobiert, das ich ein wenig abändern wollte, damit die Creme leichter ist und gut als Gesichtscreme funktionieren würde.

Eine Creme besteht, um es ganz einfach zu halten, aus folgenden Teilen:

  • Fettphase
  • Wasserphase.

Um Fett und Wasser zu verbinden, benötigt man einen Emulgator. Im Grunde hat man dann eine fertige Creme.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn

  1. möchte man von der Creme länger etwas haben als 3-4 Tage, muss man konservieren,
  2. soll die Creme natürlich die eierlegende Wollmilchsau sein und eine samtigzarte Haut mit dem gewissen Glow hinterlassen, deshalb brauchen wir noch die verschiedensten Wirkstoffe, und
  3. will man auch noch schön riechen, ein herrlicher Duft muss also auch noch mit rein.

 

Das habe ich selbstverständlich bedacht, so dass mein Rezept folgendermaßen aussieht:

Fettphase: 40g Traubenkernöl, 40g Straußenfett, 15g Arganöl, 11g Sheabutter;

23g Emulsan (Emulgator), 9g Cetylalkohol (Co-Emulgator);

Wasserphase: 248g Gemisch aus Hamamelishydrolat, Weidenrindenhydrolat, Aloe-Vera-Gel und

destilliertem Wasser; Wirkstoffe: 45 Tropfen Kamilleextrakt, 15 Tropfen Propolis, je 3,5g d-Panthenol, Urea und

Vitamin E, 3g Seidenprotein

Konservierung: 5g Rokonsal

Duft nach eigenem Belieben: z.B. Litsea Cubeba oder Nevonia.

 

Am Rezept kann man erkennen, dass der Emulgator der Fettphase und die Wirkstoffe der Wasserphase zugerechnet werden, sie sind also in der jeweiligen Phase löslich. In welcher Reihenfolge die Zutaten zusammengemischt werden, und worauf man noch achten muss, zeige ich euch jetzt in der folgenden Anleitung.

Zuerst einmal benötigt ihr einige Gerätschaften. Einen normalen Topf, hitzebeständige Gläser, Emulgierstab, kleine Gefäße für die Zutaten, Rührstäbe, Messlöffel, Thermometer, Feinwaage, Küchenpapier.

 

Sehr wichtig ist außerdem etwas, um alle Utensilien und den Arbeitsplatz zu desinfizieren. Ich habe mir Isopropylalkohol gekauft und in eine Sprühflasche umgefüllt. Das funktioniert super.

 

Nun kommen wir zur Fettphase. Auf dem Foto seht ihr alle Zutaten aus meinem Rezept. Links im Glas ist das Straußenfett, das ich selbst ausgelassen habe. Die Sheabutter im weißen Topf ist unraffiniert und riecht lecker schokoladig. Mit der Feinwaage alle Fette und die Emulgatoren abwiegen und in eines der hitzebeständigen Gläser füllen, nur die Sheabutter noch beiseite stellen, die wird erst ganz zum Schluss hinzugefügt, da die Inhaltsstoffe recht hitzeempfindlich sind.

 

 

Die Hydrolate, das Aloe-Vera-Gel und destilliertes Wasser abwiegen und in ein zweites hitzebeständiges Glas füllen.

Die Wirkstoffe rechts im Bild werden erst später benötigt.

 

Beide Gläser in einen mit Wasser gefüllten Topf stellen und auf ca. 80°C erhitzen. Dazu einfach ein geeignetes Thermometer in die Gläser halten.

 

In der Zwischenzeit kann man sich den Arbeitsplatz vorbereiten, sofern noch nicht passiert. Desinfizieren nicht vergessen. Oben habe ich mir von links nach rechts in der benötigten Reihenfolge alle noch notwendigen Zutaten abgewogen bereitgestellt.

 

Wenn die Fett- und Wasserphasen die richtige Temperatur haben, beides vom Herd nehmen, die Sheabutter in der Fettphase schmelzen, anschließend die Wasserphase in die Fettphase geben.

 

Nun kommt mein Prachtstück zum Einsatz, der Kai Blendia. Zum Rühren von Cremes ist er wirklich einzigartig, da er einen ganz tollen Emulgieraufsatz hat. Dafür ist er aber auch recht teuer. Wenn ihr euch noch nicht sicher seid, ob das Selberrühren etwas für euch ist, tut es am Anfang auch ein Milchaufschäumer. Auf jeden Fall müssen die beiden Phasen jetzt gut miteinander vermischt werden, damit sich die Creme später nicht wieder trennt.

 

Wenn alles gut emulgiert ist, dann muss die Creme erst einmal auf Handwärme abkühlen, bevor man die Wirkstoffe hinzufügt. Bis es so weit ist, muss die Emulsion immer wieder mit einem Rührstab umgerührt werden. Dann kommen die Wirkstoffe wie oben im Rezept angegeben hinzu, und man verrührt alles nochmal ordentlich.

 

 

Bevor man nun die fertige Creme mit dem Rokonsal konserviert und eventuell beduftet, ist es unbedingt notwendig, den pH-Wert zu messen, da der Konservierer Rokonsal nur im pH-Bereich bis 5,4 wirksam ist. Man erreicht eine Haltbarkeit von maximal 6 Monaten, man sollte sicherheitshalber eher von 3 Monaten ausgehen.

 

   

 

Da ich meine Cremes häufiger verschieden bedufte oder einen Teil auch mal gar nicht, ist das Hinzufügen des Duftes der letzte Schritt. Dazu fülle ich mir die Cremes schon in die Tiegel und rühre dann die gewünschten Düfte unter. In diesem Fall habe ich zwei Tiegel auf Wunsch mit dem ätherischen Öl Litsea Cubeba beduftet und die restlichen mit einer Mischung aus verschiedenen Parfumölen.

 

 

Die Cremetiegel bewahre ich bis zur Benutzung im Kühlschrank auf in der Annahme, dass sich die Keime nicht so schnell vermehren und die Creme so etwas länger hält.

 

Ich hoffe, mein Beitrag hat euch gefallen und vielleicht auch etwas die Angst genommen, selbst eine Creme zu rühren. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich getraut habe, da es immer so schwierig schien, wenn ich mir im Internet Anleitungen zum Selbstrühren durchgelesen hatte. Nach dem ersten Versuch konnte ich das überhaupt nicht mehr verstehen. Es ist eigentlich ziemlich einfach, wenn man sich die Zutaten gut vorbereitet und bereitstellt. Wichtig ist vor allem das saubere Arbeiten.

In einem meiner nächsten Beiträge könnten wir mal ein Rezept zusammenstellen. Dann kann ich etwas mehr zu den Zutaten schreiben und ich welcher Konzentration man diese verwenden sollte. Ich freu mich drauf…

 

4 thoughts on “Creme rühren – eine Anleitung”

  1. Liebe Anett, vielen Dank für das tolle Rezept und die genaue Anleitung. Nach der Seife ist das dann mein nächstes Projekt. LG Sylvia

    1. Liebe Sylvia, das Rezept ist wirklich super, ich habe die Creme natürlich gleich ausprobiert. Ich bin auch richtig froh, mich vor einigen Monaten endlich ans Rühren gewagt zu haben. Viel Spaß beim Selbermachen! Liebe Grüße, Anett

  2. Danke für diese gute Erklärung und Einführung! Das werde ich dann mal auch probieren. Vielleicht finde ich auch ein Rezept für Neurodermitis geplagte Beine … LG, Gudrun Schmieder(Seife sieden …)

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